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Wolfsburg, 04. Juli 2018

Blick zurück: Ein Käfer in Ruanda

Ein deutscher Botschafts-Mitarbeiter war schon vor 50 Jahren mit dem Käfer in Afrika unterwegs

Dass der Käfer im ostafrikanischen Ruanda eine ganz besondere Stellung hatte, erfuhr Hans-Ulrich Duwendag schon kurz nach seinem Dienstantritt in der Hauptstadt Kigali. Dort arbeitete Duwendag in den 60er Jahren in der deutschen Botschaft, wo kurz zuvor bei einem Empfang die Botschaftssekretärin vergeblich versucht hatte, den Eingang für Ruandas damaligen Präsidenten Grégoire Kayibanda freizuhalten. Als ein kleingewachsener und mit einem einfachen Pullover bekleideter Fahrer aus einem verbeulten Käfer stieg, wies sie den Mann energisch zurecht: „Ich muss den Eingang für den Präsidenten freihalten!" Darauf erwiderte der Fahrer in bestem Deutsch: „Ich BIN der Präsident!“

Den Käfer in Kenia persönlich abgeholt
Solche und andere Erlebnisse beschreibt Duwendag in seinem Buch „Tarzan, ein Missionar und zwölf Askaris“ (Agenda-Verlag, Münster, 2017).  „Für mich war schon damals klar: Das Verhältnis von Volkswagen und Ruanda ist ein besonderes – und daher fuhr ich selbstverständlich auch einen Käfer.“ Auf den musste er aber zunächst noch warten – und ihn dann selbst im Hafen des rund 1.500 Kilometer entfernten Mombasa in Kenia abholen.

In der Werkstatt in Ruanda: Der Käfer und sein Eigentümer.

Das eigene Auto eröffnete dann aber ganz neue Möglichkeiten. Zusammen mit europäischen Freunden fuhr Duwendag alle zwei Monate von Kigali über staubige Pisten zum Einkaufen nach Kampala, mehr als 500 km entfernt im Nachbarland Uganda. Nur da gab es seinerzeit Lebensmittel nach europäischem Geschmack. Diese Fahrten waren anstrengend und ermüdend, aber bei diesen Überlandfahrten wuchs auch die Leidenschaft für den afrikanischen Kontinent.

Mit dem Auto die Frau fürs Leben gefunden
Dank seines Käfers lernte Duwendag auch seine spätere Frau Rita kennen. Die Schweizerin arbeitete in Ruanda als Lehrerin und Entwicklungshelferin auf einer weit entfernten Station der Afrikamissionare, der sogenannten „Weißen Väter“. Das Paar sah sich jedes Wochenende. Duwendag holte seine Freundin freitags ab und brachte sie am Sonntagnachmittag wieder zurück – immer über eine 100 Kilometer lange Staubpiste. Da es kein Telefon gab, war der Käfer die einzige Möglichkeit, Kontakt miteinander zu halten.

Längst hatte der Afrika-Virus beide gepackt und so planten sie eine gemeinsame Reise von Ruanda nach Kapstadt – mit dem Käfer mehr als 5.000 Kilometer nach Südafrika. Ausgestattet mit leichtem Gepäck, amerikanischen Dollars, einem Fotoapparat, einer Filmkamera und zusätzlichen vier „Jerricans“ – 20-Liter-Benzinkanistern für Etappen von bis zu 700 Kilometern ohne Tankstelle – starteten die beiden am 19. Februar 1971 in Kigali. Noch am selben Tag überquerten sie die Grenze nach Burundi und erreichten Bujumbura, die Hauptstadt des Nachbarlandes, wo eine Schiffs-Überfahrt über den Tanganjika-See begann. Der Käfer wurde auf einen Schleppkahn gehievt, Platz für die Passagiere war vorne auf dem Schlepper.

So ging es fünf Tage und Nächte lang auf dem 670 km langen Süßwassersee immer Richtung Süden. Vorbei an Tansania ging es nach Mpulungu in Sambia, wo der Käfer an der einzigen Hafenmole mit einem Kran an Land gehievt wurde. Nach den berühmten Victoria-Fällen und einem Abstecher nach Mosambik war Südafrika erreicht. Im Vergleich zu Ruanda mit seinen Erdstraßen war Südafrika damals bereits ein verkehrstechnisch fortschrittliches Land und verfügte über das dichteste Straßennetz Afrikas.

Ein Riss im Fahrwerk wird von lokalen Mechanikern repariert.

Im Konvoi mit gepanzerten Fahrzeugen
Da der ursprüngliche Plan, den Käfer zu verkaufen und nach Deutschland zu fliegen, aus zolltechnischen Gründen nicht möglich war, ging es auf dem Landweg zurück nach Ruanda. Zunächst durch Rhodesien nach Mosambik. Aus Sorge um Übergriffe der „Frelimo“ (deutsch: Mosambikanische Befreiungsfront), die gegen die portugiesische Kolonialmacht kämpfte, war die Fahrt zur Grenze nach Malawi nur in einem Konvoi mit gepanzerten Fahrzeugen und schwer bewaffneten Soldaten möglich, die auch die Fährüberfahrt über den Sambesi absicherten. Über Tansania ging es danach durch Kenia und Uganda zurück nach Ruanda, das nach sechs Wochen und fast 12.000 Kilometern Fahrt im VW Käfer wieder erreicht war.

Hans-Ulrich Duwendag mit seinem Käfer bei der Reise von Kigali in Ruanda nach Kapstadt.

Tags VW Ruanda
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