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Tel Aviv, 20. April 2018

Eine Frage der richtigen Perspektive

Cybersicherheit: Israelische Spezialisten unterstützen Volkswagen bei den vernetzten Automobilen der Zukunft.

Tel Aviv, Israel. Am östlichen Rand des Zentrums dieses größten Ballungsraumes des Landes ragen zahlreiche Wolkenkratzer in den Himmel. Und es werden immer mehr. Hier entsteht eine neue Herzkammer des „Silicon Wadi“. So nennen die Menschen in Israel seit geraumer Zeit die Ansammlung von High-Tech-Firmen zwischen den beiden Großstädten Tel Aviv und Jerusalem. Neben den bekannten Namen der Technologie- und Internet-Branche, die in den vergangenen Jahren Forschungs- und Entwicklungszentren in Israel gegründet haben, sind es vor allem zahlreiche einheimische Start-Up-Firmen, die für eine hohe Dynamik des technischen Fortschrittes im „Wadi“ sorgen. In einem der neuen Hochhäuser residiert seit Beginn des Jahres CYMOTIVE Technologies.


CYMOTIVE Firmenlogo im Eingangsbereich.

Deutsch-Israelisches Unternehmen für Cybersicherheit

Bereits im September 2016 gründete der Fahrzeughersteller Volkswagen mit drei führenden israelischen Experten und deren Teams das Unternehmen für Cybersicherheit im Automobilbereich. Seitdem werden unter der Leitung von Yuval Diskin, Tsafrir Kats und Tamir Bechor fortschrittliche Lösungen im Bereich der Cybersicherheit für die nächste Generation von vernetzten Automobilen und mobilen Diensten entwickelt.


Ralf Milke (Volkswagen), Tsafrir Kats und Yuval Diskin (CYMOTIVE), Beate Hofer (Volkswagen) sowie Jürgen Klöpffer (Autovision) bei der Eröffnung der neuen Geschäftsräume.

Israelisches Security-Knowhow für Volkswagen

Israel gilt als eines der technologisch fortschrittlichsten Länder der Welt.
Im Verhältnis zu seiner Bevölkerung hat das Land am östlichen Rand des Mittelmeeres die größte Anzahl von Start-Up-Unternehmen und absolut betrachtet die zweitgrößte Anzahl – nach den USA. Aufgrund der prekären Sicherheitslage gibt es einen erhöhten Bedarf an modernsten Sicherheitstechnologien. Viele Experten erlangen ihr Wissen zusätzlich zu ihrem Studium bereits während des Pflichtwehrdienstes, den jeder junge Israeli – weiblich wie männlich – absolvieren muss. Dabei ist der Bereich der Cybersicherheit ein Schwerpunkt der militärischen wie zivilen Forschung in Israel. Gemeint ist damit nicht nur die Sicherheit von elektronischen Daten, sondern viel mehr auch die technische Absicherung aller Systeme, die direkt mit dem Internet verbunden sind oder verbunden werden können.


Blick in die CYMOTIVE-Etage.

Das gilt in zunehmenden Maß auch für das Automobil der Zukunft. Vor allem mit dem Voranschreiten des automatischen Fahrens nimmt die Konnektivität der Fahrzeuge mehr und mehr zu. Es entstehen neue Schnittstellen über Car2X zur Verkehrsinfrastruktur oder über Car2Car zu anderen Fahrzeugen. Das vernetzte Auto der Zukunft soll eigenständig mit zahlreichen Datennetzen anderer Dienste und Anbieter interagieren. Durch das komplexe Netzwerk von Steuergeräten im Fahrzeug und der Kommunikation mit der Cloud erhöht sich das Risiko, dass sich Unbefugte Zugang zum Auto oder damit verbundener Infrastruktur verschaffen könnten.
Aus diesem Grund wird CYMOTIVE mit Volkswagen die Datensicherheit von Fahrzeugen und Steuergeräten weiter optimieren.


Teambesprechung im 32. Stock.

Wie intensiv dabei vorgegangen wird – diesen seltenen Blick hinter die Kulissen ermöglichte CYMOTIVE bei der Einweihung der neuen Geschäftsräume. Die Büroräume beeindrucken im 32. Stockwerk eines der gerade fertiggestellten Wolkenkratzer an der Yigal Alon Street mit atemraubendem Blick über Tel Aviv.


Blick bis zum Mittelmeer.

Detaillierte Einblicke

Im Arbeitsalltag geht es hier allerdings nicht um den Panoramablick, sondern um kleinste Details. Zur Analyse werden Platinen von Steuergeräten unter einem Mikroskop untersucht. Die Platinen werden in Ihre Einzelteile zerlegt und jedes Bauteil wird einem Sicherheits-Check unterzogen.


Elektronische Bauteile unter dem Mikroskop.

Immer wieder schaut der CYMOTIVE-Mitarbeiter durch die Optik seines Mikroskops oder kontrolliert den Fortschritt seiner Bemühungen auf dem Computerbildschirm.

Mit ruhiger Hand werden kleinste Hardware-Bestandteile – nur den Bruchteil eines Millimeters groß – von ihm neu angeordnet oder mit anderen Bauteilen verbunden. Sein Ziel ist das Auffinden von Sicherheitslücken in der Hardware und den Datenschnittstellen zwischen den Prozessoren. Hacker analysieren z.B., welche Daten zwischen den kleinen Chipsätzen ausgetauscht werden und greifen diese Schwachstelle an.

Das „Red Team“ ...

Das „Hacken“ beginnt im sogenannten „Red-Team“ – der Offensiv-Abteilung von Cymotive. Denn um alle Schritte eines potentiellen Angreifers nachzuvollziehen, wird die Entwicklung sozusagen „umgekehrt“.

Mit den Erkenntnissen aus dem Aufbau des Bauteiles versucht das Red-Team im Anschluss an weitere Daten zu kommen. Ab jetzt geht es nur noch um Bits und Bytes – um Software. Die Spezialisten suchen nach Schwachstellen und Möglichkeiten der Manipulation. Haben die Entwickler alle digitalen Türen verschlossen? Die jungen Mitarbeiter sind hochmotiviert. Wenn sie Möglichkeiten der Manipulation entdecken, haben sie gewonnen. Der Begriff „Gamification“ ist hier wohl angebracht.


Mitarbeiter des „Red Team“.

... und das „Blue Team“

Hinter der nächsten Glaswand geht es weiter im sogenannten „Blue Team“ – Cymotives Defensiv-Abteilung. Wenn die Angreifer eine offene digitale Tür im System finden, ist es Aufgabe der Verteidiger, eine technische Möglichkeit zu erarbeiten, wie diese wieder geschlossen werden kann. Die Erkenntnisse sollen direkt in die Entwicklung des Bauteiles einfließen. Eine mögliche Sicherheitslücke werde damit nachhaltig geschlossen.

Darüber hinaus fungiert das „Blue Team“ als Forschungs- und Entwicklungszentrum für Sicherheitslösungen mit Blick auf vernetzte Automobile und deren Ökosystem. Das Team arbeitet mit den Entwicklungsteams von Volkswagen zusammen, um hochmoderne Sicherheitslösungen in künftige Plattformen des Autoherstellers einzubetten.

Mitarbeiter des „Blue Team“.

Mit diesen beiden Prozessen sollen die gleichzeitige Entwicklung und fortlaufende Verbesserungen verankert werden, um einen immer höheren Sicherheitsstandard zu erreichen.

So aufgestellt ist CYMOTIVE ein weiterer wichtiger Bestandteil des Entwicklungsprozesses und damit ein echter Gewinn für die Sicherheit des zukünftigen „Smartphones auf Rädern“.


Ralf Milke und Beate Hofer (Volkswagen) sowie Jürgen Klöpffer (Autovision).

Ralf Milke, Hauptabteilungsleiter für elektrische und elektronische Entwicklung, Karosserieelektronik und Bordnetze bei Volkswagen unterstreicht: „Die Datensicherheit ist das Vertrauen unserer Kunden in das Fahrzeug. Durch die zunehmende Konnektivität werden die heutigen technischen Maßnahmen im digitalen Fahrzeug aber nicht mehr ausreichen. Die Erweiterung unseres eigenen Knowhows und die intensivere Zusammenarbeit mit internationalen Experten ist daher ein wichtiger Schritt, um die Erwartungshaltung der Kunden zu erfüllen.“

Seine Kollegin Beate Hofer, Leiterin der Informationssicherheit des Volkswagen Konzerns ergänzt „Cyber Security ist mehr als die reine technische Absicherung der Infrastruktur und Systeme. Es geht auch um IT-Sicherheitsprozesse, Informationssicherheits-Risikomanagement, die Klassifikation von Informationen und darüber hinaus. Um Cyber Security begegnen zu können, brauchen wir aber auch eine neue Perspektive – und zwar die eines Hackers.“  

 

 

Tags CYMOTIVE

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